|
14.10.2004: Verbesserte Vermessungsmethode / 11.11.2004:
Obertonwobbeln / 12.9.2004: CADSD
Prototypenbau (GFK) / 12.8.2004: Neue CADSD Didgeridoos
Kay Reimer / 14.10.04
Jetzt können Didgeridoo-Innenformen noch genauer vermessen werden. Meine Apparatur funktioniert nach dem Prinzip kommunizierender Röhren und ermöglicht auch die präzise Vermessung krummer Instrumente. Dabei wird das zu vermessende Didge nach und nach mit Wasser gefüllt und die Füllstandhöhe außen abgelesen.
Das Didgeridoo wird am Mundstück mit einer speziellen Dichtung versehen, aus der ein dünner transparenter Schlauch nach außen führt. Der 2 m lange Schlauch ist senkrecht neben einer Millimeter-Skala angebracht.
Die Füllmengen werden mittels einer kleinen Pumpe und einer elektronischen Laboruhr genau dosiert. Zur besseren Ablesbarkeit des Füllstandes ist das Wasser rot eingefärbt.

Zum genauen Ermitteln der Innenform müssen Füllmengen, Füllstandhöhen und evtl. Winkel der Messabschnitte erfasst werden. Frank hat mir netterweise ein praktisches Tool programmiert, mit dem die einzelnen Durchmesser berechnet werden.
Hier ist die Vermessung eines neuen CADSD-Prototypen zu sehen, um eventuelle Abweichungen von der geplanten Innenform zu
erkennen - eine große Hilfe beim Endtuning ... |


|
Frank Geipel / 11.11.2004

Bei einigen wenigen Didgeridoos ist beim Spielen, vor allem mit speziellen dynamischen traditionellen Techniken ein deutliches Wobbeln (Vibrato) zwischen bestimmten Obertönen wahrnehmbar. Diese Instrumente sind oft eine Rarität und selten zu finden. (z.B. das E von Sven Molder aus der Galerie oder das F-F# Datjirri von Frank aus der Galerie).
Was ist die physikalische Ursache für diesen Effekt?
Die Luftsäule eines Didgeridoos weist abhängig von der Innenform bestimmte Eigenresonanzen auf, die auch als Overblows anspielbar sind. Bei diesen Eigenresonanzfrequenzen „will“ das Didgeridoo schwingen. Fällt z.B. ein Oberton des gespielten Grundtones genau auf eine Eigenresonanzfrequenz, wird dieser Oberton verstärkt und ist deutlich als Sington wahrnehmbar.
Was ist aber die Voraussetzung für ein Didgeridoo, das z.B. zwischen dem 5. und 6. Oberton (6- und 7-fache der Grundtonfrequenz) wobbelfähig ist?
Bei diesem Instrument liegt ca. 10 Hz unter der 5.Obertonfrequenz und ca. 10 Hz über der 6.Obertonfrequenz eine ausgeprägte Eigenresonanz der Luftsäule vor. Spielt man dieses Didgeridoo dynamisch an, entsteht ein instabiler Wobbelzustand. D.h., einmal fällt durch kurzzeitiges Anstoßen/Anheben des Grundtones der 6.Oberton ca. 10 Hz höher in die dort vorhandene Resonanz und wird kurzzeitig verstärkt. Da dieser Zustand instabil ist, fällt beim Rückfallen der Grundtonfrequenz der 5.Oberton ca. 10 Hz niedriger in die auch dort vorhandene Resonanz und wird kurzzeitig verstärkt. Da dieser Effekt ca. 5-10 mal pro Sekunde abläuft, ist ein deutliches Obertonwobbeln (Obertonvibrato oder Obertonläuten) wahrnehmbar.
Nach weiterer Verfeinerung der CADSD-Methode ist es möglich derartige Oberton-wobbelfähige Didgeridoos zu projektieren und zu bauen.
FFT von unserem GFK E (Wasserfalldarstellung)

obere Achse: Frequenz in [Hz] - von oben nach unten Zeit
Obertonwobbelbereich von 470-600 Hz
5. Oberton (6-fache des Grundtones) ca.498 Hz (links liegende Resonanzfrequenz ca.485 Hz)
6. Oberton (7-fache des Grundtones) ca.580 Hz (rechts liegende Resonanzfrequenz ca.595 Hz)
Soundbeispiel (GFK-Didge, gespielt
von Frank):
FFT von Svens E-Yidaki (Wasserfalldarstellung)

obere Achse: Frequenz in [Hz] -
von oben nach unten Zeit
Obertonwobbelbereich von 490-590 Hz
5.Oberton (6 fache des Grundtones) ca.500 Hz (links liegende Resonanzfrequenz ca.490 Hz)
6.Oberton (7 fache des Grundtones) ca.580 Hz (rechts liegende Resonanzfrequenz ca.590 Hz)
Soundbeispiel (Sven
Molder spiel sein spezielles E):
|
Kay Reimer 12.9.2004
So einfach es ist, mit dem Testadoo Basisformen schnell durchzutesten, so schwierig ist es, damit komplexe
Innenformen einzustellen.
Um auch CADSD-Berechnungsergebnisse praktisch zu testen, verwende ich die Baumethode, die erstmals vom Schöpfer der
Hanfdidgeridoos beschrieben wurde.
Die Methode ist so simpel wie genial - ein Sack, der der gewünschten Innenform entspricht, wird mit Sand gefüllt und mit einem härtenden Hanffaserbrei besprüht. Nach der Aushärtung wird der Sack entfernt - und fertig ist das Didge. Toll!!
Ansgar Stein
hat diese Methode bereits mit Glasfaserkunststoff (GFK) erfolgreich übernommen.
Von ihm habe ich die ersten Tipps bekommen, die ich dann den speziellen Anforderungen der CADSD-Prototypenfertigung
entsprechend modifiziert habe.
Die neue CADSD-Version berechnet automatisch zu jeder Simulation die exakten Schnittmaße des entsprechenden Innenform-Sackes. Diese wird in eine Grafiksoftware 1:1 übernommen und ausgedruckt.
Die Schablonenform wird auf 2 Lagen dehnungsarmen Stoffes übertragen, der dann präzise abgenäht und
zugeschnitten wird.
Um das Material nicht zu stark zu belasten und Dehnungsungenauigkeiten vorzubeugen, verwende ich leichten Reis statt schweren Sand als Füllmaterial. Eine 2-Punkt-Aufhängung
verhindert Längsdehnungen.
Dann wird der gefüllte Sack nach und nach mit Trenn- mitteln, Epoxidharz und Glasfaserband beschichtet, bis die Wandstärke zwischen 6
und 20 mm beträgt.
Nach dem Durchhärten wird der Sack entfernt und der neue CADSD-Prototyp auf die endgültige Länge gekürzt.
Die Klang- und Spieleigen- schaften können jetzt ausgiebig getestet und per FFT mit dem geplanten
Oberton- und Eigenresonanzspektrum verglichen werden.
Mit meiner verbesserten Innenform-Vermessungsmethode kann leicht
die Fertigungs- genauigkeit überprüft werden.
Obwohl die Instrumente sehr gut klingen, baue ich sie hauptsächlich zur
Vorbereitung des wesentlich zeitaufwendigeren CADSD- Holzinstrumentenbaues
(z.B. für Franks neues Obertonwobbel- Projekt).
(Wie man bei Ansgar Steins GFK-Instrumenten sieht, sind solche Didges auch ideal für Reisen und Auftritte. Er hat jüngst eine
leichtere GFK-Version seines Lieblings-Eukas hergestellt - die
Innenform hat er mit der
Vermessungsmethode ermittelt)
|




|
|
| Frank Geipel / 12.08.2004
Die Computer-Aided-Sound-designten F/F-Twins sind fertig. Obwohl ich
durch meine Projektierungsmethode weiß, wie die Spiel- und
Klangcharakteristik werden soll, ist es trotzdem immer wieder ein
Erlebnis, die fertigen Instrumente real zu hören.
Beide Instrumente sind aus schwerer harter Hopfenbuche. Beide haben
den Grundton F und den ersten Overblow genau eine Oktave darüber.
Aber die Spiel- und Klangcharakteristik ist verschieden. Das zu
beschreiben ist umständlich. Am besten man spielt selbst.
1) Länge: 157 cm, Masse: 4,6 kg, Material: Hopfenbuche,
Mundstück-Innen-Durch-messer: 28-29 mm,
Innendurchmesser Bellend: 80-100 mm oval,
Außendurchmesser Bellend: 110-130 mm,
Klang: offen resonant mit betonten/singenden 2.Oberton,
Ansprechverhalten: excellent, Gegendruck: mittel
Grundton: F, 1.Overblow: F, 2.Overblow: C
Soundbeispiel (gespielt
von Frank):
Soundbeispiel gespielt
von Sven Molder):
2) Länge: 152 cm, Masse: 5,0 kg, Material: Hopfenbuche,
Mundstück-Innen-Durchmesser: 28-29 mm,
Innendurchmesser Bellend: 85-125 mm herzförmig,
Außendurchmesser Bellend: 110-150 mm,
Klang: direkt trocken mit deutlichen 2.Oberton und singenden
5.Oberton
Ansprechverhalten: exzellent, Gegendruck: hoch
Grundton: F, 1.Overblow: F
Soundbeispiel (gespielt
von Frank):
Soundbeispiel (gespielt
von Sven Molder):
|

 |
|
|
 |
|