Frank Geipel, 23.08.2009

Meine Reise zu den 
Ursprüngen des Didgeridoo

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Seitdem ich im Sommer 2002 als Mitglied der ersten Yirdaki Masterclass außerhalb Arnhemland (NT, Australien) am Rripangu Yidaki Festival in Eisenbach Djalu Gurruwiwi und einen Teil seiner Familie erleben durfte und ich zufällig 2003 u.a. mit Djalu auch Mitautor in einem inernationalen Buch über das Didgeridoo Phänomen wurde, reifte in mir der Wunsch, Yolngu und das Yidaki auf ihrem Ursprungsland zu erleben. Nach weiteren Jahren Studium verschiedener traditioneller Spieltechniken aus dem Arnhemland und den physikalischen Eigenschaften dazu geeigneter Instrumente ergab sich für mich die Möglichkeit an der ersten Yirdaki Masterclass in Gikal’ Outstation auf Djalus-Land teilzunehmen. Ich nutzte diese Gelegenheit um eine dreiteilige Tour von Ende April bis Ende Mai 2009 durch das Northern Territory Australiens zu machen.

Teil 1: Top End - Arnhemland - Cobourg Peninsula
Teil 2: From Red Centre to Darwin
Teil 3: NE-Arnhemland - Gove Peninsula - Gikal'



Der folgende Bericht enthält teilweise Original-Auszüge aus meinem Reisetagebuch.

Teil 1: Top End - Arnhemland - Cobourg Peninsula       zurück



Nach 32 Stunden Anreise von Deutschland über Singapur bin ich endlich in meinem Hotel in Darwin der Hauptstadt des Northern Territory angekommen. Das Quality Fronier mit Punters Bar, einem typischen Aussie Pub, sollte mein „Basislager“ im tropischen Norden Australiens werden. In den ersten Aklimatisierungstagen erkundete ich Darwin und Umgebung. Vor allem von den phantastischen Gemälden in diversen Aboriginal Art Galerien bin ich beeindruckt. Die haben „Spirit“. Hier traf ich auch den Didgeridoo-Berater W.K., einen sympathischen Halb-Aboriginal, der D.Bla..si persönlich kannte und sehr schätzte. Als ich auf einem „magoartigen“ Stick WAL-Rhythmen spielte, war er so beeindruckt, dass er auf seinen Eisenholz-Clapsticks spielte und dazu sang. Ein tolles Feeling. Ich hatte trotz tropischer Hitze Gänsehaut. Touristen-Didgeridoos gibt es viele, aber leider kaum gute Instrumente, die für traditionelle Spieltechniken, wie ich sie mag, geeignet sind.

Kaum ist man raus aus Darwin, wird die Landschaft schon vom wilden Outback dominiert. Habe nun auch die ersten wilden Eidechsen und Wallabies gesehen. Die Termitenbauten im Litchfield National Park erreichen eine Höhe von über 6 m und werden wegen ihrer Form und Größe auch Kathetrals genannt. 



Dieses Gebiet ist reich an Wasserfällen. Leider war Baden in den vom tropischen Regenwald umsäumten Wangi Falls wegen Krokodilen vorübergehend verboten, was wir später ausgiebig bei den Florence Falls nachholten.

Wieder zurück in Darwin startete gerade die Sommer- besser Wintersaison des Mindil Beach Markets mit Didge-Konzert von EmDee. Dieser Markt ist wegen der vielen Händler und vor allem der Riesenauswahl an exotischen Gerichten aus den umliegenden asiatischen Ländern empfehlenswert. Der dortige Sonnenuntergang war grandios. Während dem Rückweg zum Hotel konnte man gut das Kreuz des Südens sehen.

Den nächsten Morgen begann meine erste abenteuerliche Expedition durch den Kakadu National Park, in das aufregende Arnhemland und auf die Cobourg Peninsula. Ich wurde von zwei jungen australischen Guides (Hugh und Dan) von Venture North mit einem Toyota Landcruser (mit Schnorchel und Hänger) abgeholt. Das tolle für mich, wir sind nur zwei Gäste, Ken, ein netter Amerikaner (Vietnam Veteran mit vielen interessanten Lebenserfahrungen) und ich und haben ähnliche Interessen, wilde Natur und alte Kultur. Der zweite Guide Dan war mit dabei, um diese Tour kennenzulernen. Da es die Erstbefahrung in 2009 war, versprach es etwas abenteuerlicher zu werden. Auf der Arnhem Road durch den Kakadu Nationalpark hatten wir einige Stopps an guten Plätzen mit spektakulärer Natur (viele Wildvögel, Salzwasserkrokodile, tolle Wasserpflanzen und Eukalyptuswälder, Stringybark und Woolybutt). Habe hier auch den ersten Roadtrain gesehen.

Das kulturelle Highlight war der Besuch des Nourlangie Rock mit den vielen weltberühmten Felsgalerien (bis zu 50.000 Jahre alt). Meine ersten live gesehenen Rock Art Paintings. Ich war tief beeindruckt.

Während einer Wanderung zum Nawurlandja Lookout sahen wir Black-Rock-Wallabys und am Anbangbang Billabong saß wie zum Fotografieren bestellt ein Kokaburra vor bester Szenerie. Ein wahrhafter Dreamtime Moment. („If you respect the land, then you will feel the land“ Brian Baruwei – Warrkbarbar Clan) Hier fühlte ich dieses Land wirklich intensiv.

Nach einem vorzüglichen Barramundie Dinner (von unseren Guides zubereitet) und Übernachtung in Buschbungalows in Jabiru begann am nächsten Morgen das Abenteuer mit der Durchfahrt durch den East-Alligator-River ins Arnhemland.

Es ist Nacht, der Mond scheint und ich sitze hier auf Cobourg Peninsula weitab von der sogenannten Zivilisation in meinem Zelt und höre die Geräusche des tropischen Urwaldes. Der Tag war spitze, ein Tag mit vielen spirituellen und emotionalen Momenten. Wir sind früh aufgebrochen und durch eine atemberaubend schöne Landschaft ins Arnhemland (Didge-Land) gefahren. Unseren ersten Halt hatten wir in Oenpelli, einer Aboriginal Community im Gumbalanya Gebiet, wo wir beim Injalak Art Center unseren Aboriginal Guide Gary trafen. Ein sehr angenehmer Mensch.

Mit ihm erkundeten wir das Labyrinth des Injalak Hills, ein Berg mit vielen der berühmten tausende Jahre alten Rock Art Gallerien im Arnhemland. Zu jedem Painting erzählte er alte überlieferte Storys teilweise auch in seiner Sprache. Die Gespräche mit Gary waren emotional und oft sehr berührend. 

Ich werde diese Eindrücke nie vergessen. Diese Menschen sind feinfühlig, stolz und auf beeindruckende Weise mit ihrem Land verbunden und sie sind hervorragende Künstler. Verglichen mit unserer oft materiell getriebenen Raffgier-Gesellschaft können wir viel über verlorengegangene Werte und Fähigkeiten lernen.

Jetzt hatten wir noch eine 300 km Fahrt über rote 4WD Pisten mit Durchquerungen des Cooper- und Murgenella Creek vor uns. Wegen der dort lebenden Salzwasserkrokodile, der größten lebenden Reptilien der Welt immer auch ein spannendes Erlebnis. Unterwegs begegneten wir vielen Wallabies, Schwärmen von schwarz roten Kakadus und Brolgas (große hier heimische Storchenvögel, der Totemvogel des Erbauers eines meiner besten Yidakis). Nach einem abrupten Stopp unseres Landcrusers sprang Dan aus dem Auto und rannte in den Busch. Er fing eine große Kragenechse, eine beeindruckende Kreatur. Danach nannte ich ihn „Lizard Dundee“. Einen Namen, den er lange behalten sollte. Das Ende dieser Fahrt in den Garig Gunak Barlu Nationalpark wurde immer abenteuerlicher. Da wir die ersten Besucher dieses Jahr im Costal Camp von Venture North waren und der Track kaum zu sehen war, fuhren wir quasi die letzten Kilometer durch den wilden Urwald.

Die Nächte in meinem halboffenen Dschungel-Zelt waren interessant. Habe gut geschlafen. Die Geräusche nachts und am Morgen waren anders als im Kakadu NP. Vor allem das Dingohäulen und laute Geschrei oder Lachen der Kokabura Vögel (Lachender Hans) war ein Erlebniss. Die nächsten Tage erkundeten wir die Cobourg Peninsula.

Wir waren Speer fischen und Austern sammeln an einsamen Stränden, haben wilde Tiere beobachtet (Bantangs, Wasserbüffel, Adler, Haie, Salzwasserkrokodile, …) und Grevillea Blüten gesammelt, mit denen Aboriginal Kinder gern ihr Trinkwasser aromatisieren. Ein unbeschreiblich exotischer Duft, der mir heute noch in der Nase hängt. Leider war das Baden in der Arafura See wegen der Haie, Salzwasserkrokodile und Box-Yelley-Fish zu gefährlich.

Nach einem Besuch der alten Victoria Settlement Ruinen traten wir unseren langen Rückweg in echter Ralley Manier an und machten an einer Stelle mit beeindruckenden Kompass-Termiten Hügeln halt. Wieder im Gumbalanya Gebiet mußte ich an Gary und unsere unvergesslichen Erlebnisse am Injalak Hill denken. Obwohl nicht abgesprochen stand er genau zum richtigen Zeitpunkt an der roten Piste und winkte uns zu (Zufall?). Er stellte uns seine Familie vor und wir hatten noch einen herzlichen Abschied. Die letzten 50 km von Oenpelli über Ubirr nach Jabiru im Dunkeln waren insofern interessant, da die Ranger (nach überlieferten Aboriginal Regeln) das alte Gras abbrannten. Kilomerteweite Buschfeuer erforderlich für den Jahreskreislauf der Natur.

Nach einem grandiosen Sonnenaufgang bei Yellow Waters erkundeten wir die dortigen Feuchtgebiete per Boot. 

Spektakuläre Natur hautnah, viele Vögel (Weissbrust Seeadler, Brolgas, Jabirus, …), interessante Pflanzen (Wasserlilien, Lotus, Paperbark Trees, …) und vor allem Salzwasserkrokodile.

Bevor wir zur Rückfahrt nach Darwin aufbrachen, unternahmen wir eine 2 Stunden Buschwanderung zur Nanguluwur art site. Diese Seite des Nourlangie Rock ist wenig besucht und ein kleiner Geheimtipp für beeindruckende Rock art Paintings, die teilweise aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Hier kann man auch in jüngeren Paintings die Zeugnisse der ersten Begegnungen mit den Schiffen der europäischen Eroberer sehen. 

Nach weiteren 270 km auf dem Arnhem Highway besuchten wir die Didgeridoo Hut, eine bekannte Anlaufstelle für Didgeridoos und Aboriginal Art in Darwin. Habe dort ausgiebig einige interessante Yidakis mit NEAL-Spielstilen getestet, wonach sich prompt ein Gespräch mit einem zufällig anwesenden Yolngu incl. Familie ergab. 

Er war ein ferner Verwandter von Djalu Gurruwiwi und fand es toll, dass ich in zwei Wochen an der Yirdaki Masterclass im NE-Arnhemland teilnehmen würde. Am Abend setzten mich Hugh, Dan und Ken wieder an meinem Hotel ab. Nach einer erfrischenden Dusche, der erforderlichen Wäsche meiner wichtigsten Sachen und einem kühlen „XXXX gold“ in Punters Bar lag mein erstes Outback Abenteuer hinter mir.


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Teil 2: From Red Centre to Darwin       zurück

Schon lange vor meiner Reiseplanung in Deutschland war mir klar, dass ich bei einem Australienbesuch auf jeden Fall das “Rote Zentrum” erleben wollte. Um auch diesen Traum zu realisieren, verabschiedete ich mich zwischenzeitlich vom tropischen Ursprungsgebiet des Didgeridoo und flog von Darwin aus 1400 km südlich nach Alice Springs. Auch dieser Flug war beeindruckend. Vor allem die wechselnde Farbe des Outbacks von dominierenden Grüntönen zu den typischen roten Farbtönen des Desert Outbacks z.B. über der Tamami Wüste. Nach meiner Landung im „Red Centre“ bezog ich meine Unterkunft in einem Backpacker Resort und startete die Erkundung von Alice Springs. Hier leben viele Wüsten-Aboriginals vom Stamm der Arrente, die ihre Dot-Paintings verkaufen wollen. Während ich mich mit einem 400 g Steak stärkte, setzte sich ganz spontan eine asiatisch aussehende Australierin zu mir. Sie war eine Antropologin aus Sydney und kümmert sich im Outback um die Landrechte der dort lebenden Wüstenvölker.

 

Zur Einstimmung auf das „Rote Zentrum“ startete ich am nächsten Tag eine 4WD Tour parallel zu den Western Macdonnel Ranges den Larapinta Drive entlang über Hermannsburg in das Palm Valley des Finke River Nationalparks. Die farblichen Eindrücke waren überwältigend. Blauer Himmel mit einigen kleinen weißen Wolken, die in verschiedenen Rottönen leuchtenden 350 Mio Jahre alten Bergketten, das gelbe bis pastellgrüne Spinnefixgras und die blaugrünen Mulgasträuche und Geistereukalypten mit weißen Stämmen.

Die Fahrt durch das ausgetrocknete Flussbett des Finke River (eines der ältesten Flüsse der Welt) führte uns zur Cycade Gorge bis in das Palm Valley mit seinen unglaublichen Felsformationen. Der Kontrast zum tropischen Norden Australiens ist gewaltig. Teilweise kam ich mir vor wie auf einem anderen roten Planeten.

Auf der Rückfahrt besuchten wir die alte Aboriginal-Missionarsstation in Hermannsburg. Hier haben mich spontan zwei 9 jährige Aboriginal Mädchen (Vee and Sandy) vom Arrente Tribe angesprochen und mir die ganze Station gezeigt und dazu nette und interessante Geschichten erzählt. Diese Siedlung wird übrigens auf Basis eines modernen Solarkraftwerkes mit Energie versorgt. Ein toller Kontrast zum alten Land.

Heute beginnt meine ca. 2800 km Campingtour von Alice Springs südostwärts nach Kata Tjuta, Uluru, Kings Canyon und wieder nordwärts den Stuard Highway entlang über Ti Tree, Wycliffe Well, Devils Marbles, Tennat Creek, Daly Waters, Mataranka, Katherine Gorge zurück nach Darwin. Wir sind eine international gemischte Gruppe mit Teilnehmern aus Australien, Kanada, Holland, Italien, Frankreich, Schweiz, Südkorea, Japan, Irland, England, Weißrussland, Slowakei und Deutschland. Die Stimmung ist gut. Unser typisch australischer Outback Guide ist mit vollem Einsatz dabei unsere Gruppe optimal zu betreuen.

 

Nach Erreichen unseres Camps am Uluru sind wir zu den Kata Tjuta´s gefahren, eine atemberaubende sehr alte rote Sandsteinformation und spirituelle Stätte für die hier ansässigen Wüsten Aboriginals, den Anangu oder Pijanjara. Die farblichen und größenmäßigen Eindrücke sind überwältigend und schwer zu beschreiben bzw. in Fotos mit Normalperspektive festzuhalten. Unsere ca. 2 stündige Wanderung durch das „Valley of the winds“ war für mich ein Traum, wie auf einem anderen Planeten.

Von hier sind wir dann rechtzeitig aufgebrochen, um den Sonnenuntergang am Uluru zu erleben. Als dieser rote Sandsteinmonolith das erste Mal in voller Größe sichtbar war, überwältigten mich meine Gefühle. Durch das Interesse an der alten Kultur verbunden mit den faszinierenden farblichen Stimmungen während des Sonnenuntergangs erlebte ich hier intensive emotionale Momente. Leider sind diese nicht in Fotos festzuhalten, da parallel zu den optischen Eindrücken auch andere Sinneseindrücke verbunden mit den momentanen Gedanken wirken.

Die Nacht im Camp war anfangs ungemütlich, da die Temperaturen zeitweise bis 5°C sanken und ich nur einen dünnen Schlafsack dabei hatte. Umso beeindruckender war der Blick in den südlichen Sternenhimmel. Vor dem hellen Hintergrund des Zentrums unserer Galaxis konnte man deutlich die Wolken dunkler Materie sehen. Frühzeitig nach dem Sonnenaufgang am Uluru bin ich ca. 2 Stunden den Base walk um den Riesenmonolith gewandert. Durch die noch tief stehende Sonne waren die Eindrücke teilweise unwirklich. Da viele Stellen wichtige spirituelle Orte für die dort lebenden Aboriginals sind, durfte man leider nicht alles fotografieren, was ich in diesem Fall natürlich aus Respekt vor der alten Kultur der Anangu beachtete.

Nach weiteren 280 km Fahrt mit Zwischenstopp am Mt. Conner lookout erreichten wir unser Camp am Kings Canyon im Watarrka Nationalpark. Diese langen Fahrten durch das Outback lassen einen die wahre Größe dieses Landes bzw. Kontinents spüren. Verglichen mit denen von mir in Deutschland subjektiv gefühlten Entfernungen muß ich hier mit dem Faktor 4 multiplizieren.

Unser Guide Kenny hat uns wieder am Lagerfeuer im Camp mit seinen australischen Outback Kochkünsten (Emu und Kängeruh) überrascht. Spät am Abend besuchten uns ein paar Camper mit einem typischen Touristen Didgeridoo (mit einem für Kenner scheußlichem Klang). Nachdem ich es präpariert und von innen gewässert hatte, konnte ich doch noch einige passable Klänge und Rhythmen herauszaubern und vor allem die Aussies zum staunen bringen. Als dann Kenny (unser Guide und Musiker) noch seine Gitarre hervorholte musizierten bzw. improvisierten wir bis in die Nacht und hatten eine tolle Stimmung am Lagerfeuer. Die Nacht war angenehmer als die letzte. Oft konnte man das Häulen der Dingos hören.

Kleine Pause über dem Canyon.

Am nächsten Morgen sind wir frühzeitig zum Kings Canyon aufgebrochen und 3 Stunden durch die Canyonlandschaft gewandert. Wieder waren die Aussichten und Szenerien spektakulär. Durch die teilweise schwierigen Lichtverhältnisse leider nicht optimal auf Fotos zu bannen. Höhepunkt waren natürlich die überhängenden Steilwände des Kings Canyons. Danach wieder 400 km Fahrt durch das rote Outback zurück nach Alice Springs. Hier nutzte ich die Gelegenheit, um in den diversen Art Galleries und Shops zu stöbern. Hier findet man neben den berühmten Dot Paintings der Wüsten Aboriginals auch überraschend viele Didgeridoos, die allerdings bis auf Ausnahmen nicht viel mit dem traditionellen Ursprung zu tun haben, da sie nicht der Kultur der Wüsten Aboriginals entstammen.

 

Am nächsten Morgen um 5:40 h starteten wir unsere lange Fahrt den Stuard Highway entlang nach Norden. Unterwegs stoppten wir an verschiedenen Outback Raststätten bzw. Pubs. Der schrägste Pub war in Wycliffe well, dem UFO Zentrum Australiens. Hier scheinen alle „verrückt“ zu sein. Sogar die hier heimischen Aboriginals berichteten von UFO Sichtungen. Nach unserem Lunch erreichten wir endlich das Gebiet der „Devils Marbles“. Auch eine der Gründe, warum ich diese lange Fahrt auf mich nahm.

Eine wieder unglaubliche Szenerie. Die roten Granitkugeln, der blaue Himmel mit ein paar weißen Wolken und dazwischen pastellgrünes Spinnefixgras und weiße Geistereukalypten. Für die Aboriginals (die Kaytej und Warumunga) ein spiritueller Ort, der die Eier der Regenbogenschlange (dem mächtigsten Schöpfungswesen der Traumzeit) symbolisiert.

Inzwischen haben wir unser Camp in Banka Banka, einer großen Rinderfarm, erreicht. Das Lagerfeuer brennt schon, die Kakadus krächzen und wilde Kängeruhs hüpfen in der Dämmerung vorbei. Hier ca. 800 km nördlich vom Uluru war es nachts schon wesentlich wärmer. Ich sitze wieder in unserem Kleinbus und die „unendlichen“ Weiten des Outbacks ziehen vorbei. Das Land ist riesig. Es ist interessant, den langsamen Wechsel der Vegetation zu erleben. Links in Fahrtrichtung die Tanami Desert, roter Sand, gelbes Spinnefixgras, grüne Mulgabüsche und einige Eukalyptusbäume. Wir haben heute ca. 600 km zu bewältigen. Der Stuard Highway zieht sich wie eine graue Riesenschlange nordwärts durch das Outback. Unser junger Fahrer Corry, ein Kiwi, bedrönt uns mit seiner Musik.

Inzwischen hatten wir einen längeren Stopp in Daly Waters, dem traditionsreichsten schrägsten Pub im Northern Territory. Habe mir hier ein kühles „XXXX gold“ (inzwischen mein Lieblingsbier) genehmigt und weiter ging es zu den Thermalquellen von Mataranka. In dieser tropischen Oase waren wir in 33°C warmen, glasklaren Wasser der Bitter Springs baden. Diese Quelle ist übrigens unterirdisch mit Neuguinea verbunden. Angekommen in unserem Katherine Gorge Camp im Nitmiluk Nationalpark haben wir nach einem grandiosen Sonnenuntergang am Lagerfeuer den nächsten Tag geplant.

Da wir wegen der Gefahr von Krokodilen keine Kanufahrten unternehmen konnten, hatte ich mich für einen Helikopterflug über das Gebiet entschieden. Tolle Einblicke in das zerklüftete Land der Jawoyn.

Nach diesem Erlebnis unternahmen wir eine Wanderung in das Schluchtensystem und verbrachten danach einige Stunden in der Katherine Art Gallery mit einem guten Angebot an authentischer Kunst der umliegenden Aboriginal Völker.

Manuel, ein netter Mangarayi Künstler hat uns eine Einführung in die hier praktizierten Rarrk-Painting Techniken gegeben. Wieder im „Didge Land“ war der Höhepunkt für mich natürlich der gut geführte Didgeshop, in dem es auch einige wirklich gute Instrumente gab. Nachdem ich mir eines der besten aus dem Barunga-Gebiet ausgesucht hatte, begleitete ich damit unsere Gruppe musikalisch beim Malen. Eine tolle Stimmung. Ich fand dieses Didge so gut, dass es das erste Instrument wurde, dass ich hier kaufte und nach Deutschland versenden lies.

Nach einem guten Lunch und einem erfrischenden Bade-Stopp bei den Edith Falls bin ich jetzt wieder in meinem Hotel in Darwin angekommen. Ein paar Sachen waschen, essen in Punters Bar und dann ins Bett, denn morgen früh beginnt meine letzte Tour. Die Teilnahme an der Yirdaki Master Class im NE-Arnhemland sollte ein Höhepunkt meiner Dreamtour werden. Ich bin gespannt, was mich erwartet.

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Teil 3: NE-Arnhemland - Gove Peninsula - Gikal'      zurück

Der Flug von Darwin nach Gove war gut. Von oben konnte ich die bekannten Küstenlinien des NE-Arnhemlandes gut erkennen. Ich war ja schließlich schon öfters virtuell über Google earth hier. In Darwin hatte ich Andy aus der Schweiz getroffen. Da der Airportshuttle schon weg war, hatte uns ein netter Australier mit seinem 4WD zum Motel gefahren. Ich spüre seit langer Zeit wieder dieses Lampenfieber vor dem Festival und dem Wiedersehen mit der Gurruwiwi Familie. Hier in Nhulunby ist es tropischer als ich dachte. Diesen Tag haben wir entspannt und Kräfte für den morgigen Tag gesammelt, um mit voller Energie in die Yirdaki Master class zu starten. Aufgrund der starken Regenfälle hier in den letzten Tagen hat sich Djalu dazu entschlossen, die Tour nach Gikal nicht mit 4WD´s zu machen. Er fliegt mit einem Teil der Familie per Flugzeug und wir die Teilnahmer der Master class mit Dhangal (Djalus Schwester) und ihrer Enkelin Dorothea fahren per Schiff, der Auriga Bay II nach Gikal.

  

Unsere Gruppe besteht aus 4 Japanern (Jo, Warabe, Sanshi, Junji), 4 Australiern (Brian, Arpana with family) einem Schweizer (Andy) und 2 Deutschen (Andy, ich). Durch unsere gemeinsamen Interessen, die uns weltweit verbinden, war die Stimmung von Anfang an spitze. Der Seeweg dauerte ca. 6 Stunden und war teilweise sehr rau. Die Vorbeifahrt an den roten Steilküsten des NE-Arnhemlandes (Yolngu Land) war optisch ein Leckerbissen. Dhangal hat uns viele interessante Storys über diese Küstenlinie erzählt.

Endlich in Gikal angekommen hatten wir mit unserem Beiboot übergesetzt und sind an Land gegangen. Dort wurden wir von den sehr hilfsbereiten Kindern energisch in Empfang genommen und haben uns erstmal alle begrüßt. Djalu, seine Frau Dopiya und Selma kannten mich noch vom Rripangu Festival im Schwarzwald 2002. Neben den vielen interessanten Storys und Regeln über das Leben in der Yolngu Gesellschaft hatten wir dann Bungul (public ceremonial) mit Yirdaki (Didgeridoo), Bilma (Clapsticks), Gesang und Tanz. Zur Einstimmung wurden wir auch wieder von Djalu bespielt. 

Es ist beeindruckend, wie hier 4 Generationen zusammenleben und das Leben genießen.

Am späten Abend wieder auf unserem Schiff angekommen hatten uns unsere Gastgeber der Skipper Ian und seine Frau Skipperess Hedar mit einem leckern Dinner verwöhnt.

Die Nacht auf der Auriga Bay II war angenehm. Durch die Entfernung vom Festland hatten wir keine Probleme mit Moskitos und Sandflies. Der Sonnenaufgang in der Arafura See zwischen Neuguinea und Australien war grandios. Wieder ein spannender Tag. Der Landgang gestaltete sich schwierig, da wir durch die momentane Ebbe ca. 100 – 150 m teilweise durch 80 cm tiefen Schlick waten mussten. 

Am Vormittag hatten wir der Zubereitung einer großen Meeresschildkröte im Erdofen beigewohnt und natürlich auch probiert. Etwas gewöhnungsbedürftig für europäisch geprägte Gaumen.

Nach einigen Yirdaki Lektionen mit Djalu, Terrence und Vernon wurden wir adoptiert und damit ein Teil der Yolngu Welt. Ich wurde von Djalus Frau Dopiya adoptiert, gehöre zur Yirritja moietie und erhielt den Namen Barugula (Paperbark Tree) Yunupingu. Sie ist meine Schwester, Djalu mein Schwager. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass mich ab sofort die Familienmitglieder mit wawa (Bruder), nathi (Großvater), nabebi (Onkel) und duwai (Schwager) ansprachen.

 

 

Später fuhren wir mit Djalus Toyota Landcruiser in die Eukalyptuswälder um Gikal zum Yirdaki fällen. Es ist interessant wie die Yolngu zuerst am Aussehen eines Baumes und dann durch einen Anschlag z.B. mit der Rückseite der Axt und Zuhören die Bäume zum Fällen auswählen. Wir haben ca. 25 Bäume gefällt und die mit den besten Termitenfraßgängen auf Länge gesägt und zum Toyota transportiert. Eine schweißtreibende Arbeit bei 34°C und tropisch hoher Luftfeuchtigkeit. Mit den 10 besten Stämmen begannen wir mit dem Yirdaki Bau auf traditionelle Weise. Zusätzlich wurde noch ein Eisenholzbaum für den Bau von Bilma (Clapsticks) gefällt. Als Holzliebhaber bin ich jedes Mal wieder fasziniert welche interessanten Materialien die Natur so liefert. Nach diesem körperlich anstrengenden Tag, einem grandiosen Sonnenuntergang und einem kühlen „XXXX gold“ fiel ich zufrieden in meine Koje auf der Auriga Bay II und dachte an den morgigen Tag, meinen Geburtstag.

Ein herrlicher Sonnenaufgang und eine angenehme Briese. Die internationale Besatzung hat mit ein Ständchen gesungen und in der jeweiligen Landessprache einen Eintrag in mein Tagebuch gemacht. 

Wieder an Land hat mir auch die Familie gratuliert und wir haben unsere Yirdaki Bauaktivitäten fortgesetzt. So gegen Mittag fuhren wir wieder mit Djalus Toyota in ein anderes Eukalyptus Waldgebiet um Gikal und setzten die Yirdaki Ernte fort. 

Diesmal war die Ausbeute und Qualität der Rohlinge wesentlich besser als gestern. Natürlich war die Arbeit bei tropisch feuchter Hitze wieder extrem schweißtreibend und die 2 L Wasser pro Person waren schnell verbraucht. Dazu bissen sich regelmäßig grüne Ameisen, die in ihrer Ruhe gestört waren, an den Beinen fest. Deren grüne Hinterleiber enthalten Zitronensäure und schmecken deshalb nach Limonen.

Jetzt hatten wir uns eine Abkühlung verdient. Djalu ist mit uns zum Rainbow Creek gefahren. Da dort die Regenbogenschlange (eines der mächtigsten Schöpfungswesen der Traumzeit) lebt, verhielten wir uns beim erfrischenden Bad relativ ruhig und respektvoll, um sie nicht zu stören. Ein spiritueller Ort.

Habe heute mit Hilfe der Familie zwei Yidakis gebaut, die morgen bemalt werden sollen. Dies war wahrscheinlich der exotischste Geburtstag in meinem Leben. Was wird wohl gerade meine Familie in Deutschland machen. Irgendwie spüre ich, dass sie auch an mich denken.

Ein weiterer atemberaubender Sonnenaufgang, der mich jedes Mal wieder fasziniert. 

Heute haben die Frauen (Dopiya, Dhangal, Selma, …) der Großfamilie unsere neuen Yidakis bemalt. Bevorzugte Motive sind die jeweiligen Totems, mit denen man nach der Adoption auch spirituell verbunden ist. Eines meiner Totems ist Baru, das Salzwasserkrokodil. Dopiya hat mein längstes Yidaki mit Baru bemalt. Die Familienmitglieder haben hier alle eine künstlerische Ader. Für das Bemalen wurden Schlepp-Pinsel aus unseren Haaren gebastelt.

Nach einigen Yidaki Sessions haben wir uns Bilma (Ckapsticks) aus Eisenholz bebaut. Ein zähes hartes Holz, das die fertigen Bilma metallisch klingen lässt.

Am Nachmittag kamen weitere Clanmitglieder und Verwandtschaft von Elcho Island nach Gikal. Gemeinsam mit ihnen hatten wir ein tolles Bungul mit Yidaki, Bilma, Gesang und Tanz bis in die Nacht hinein. Ein toller Abend in einer anderen Welt.

Der letzte Tag in Gikal. Nach weiteren Yidaki Sessions und interessanten Gesprächen mit den Familienmitgliedern hieß es dann Abschied nehmen. Wir tauschten noch einige Geschenke aus und begaben uns dann auf die Rückfahrt per Seeweg mit der Auriga Bay II. Jeder von uns mit zwei Yidakis und Bilmas. Eine gute und teilweise nachdenkliche Stimmung. Da wir alle adoptiert wurden, waren wir jetzt auch verwandt und fühlen uns auch irgendwie mehr verbunden als vor der Reise. Wieder in Nulunbuy angekommen hatte ich meine neuen Yidakis verpackt und hoffte, dass diese die lange Rückreise gut überstehen. Während dem Rückflug nach Darwin ca. 21:00 h konnte man gut die im Arnhemland gelegten Buschbrände sehen, die hier für den Kreislauf der Natur erforderlich sind.

Die etappenweise Rückreise in das „normale“ Leben hat begonnen. Nach einem letzten interessanten Tag in Darwin startet heute Abend der Flug über Singapur nach Frankfurt. Habe ein sehr interessant klingendes und gut spielbares Yidaki in einer Didge Galerie entdeckt und ausführlich gespielt und getestet und dabei gar nicht gemerkt, dass ich eine menge Publikum hatte, die meiner in Gikal inspirierten Spielweise aufmerksam zuhörten. Jedenfalls hatte ich auch dieses Instrument mit als Zusatzgepäck mit nach Deutschland genommen.

Bin gerade im Flugzeug über Indonesien (Borneo ?) und komme mir mit meinem gezeichneten Outfit wie Indiana Jones vor. Ich spüre eine dankbare innere Zufriedenheit über meine fast zu ende gehende Dreamtour 2009 und freue mich auf das Wiedersehen mit meiner Familie, Freunden und Bekannten.

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