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2009-1



Meine Reise zu den Ursprüngen des Didgeridoo / Teil 1

 

Seitdem ich im Sommer 2002 als Mitglied der ersten Yirdaki Masterclass außerhalb Arnhemland (NT, Australien) am Rripangu Yidaki Festival in Eisenbach Djalu Gurruwiwi und einen Teil seiner Familie erleben durfte und ich zufällig 2003 u.a. mit Djalu auch Mitautor in einem inernationalen Buch über das Didgeridoo Phänomen wurde, reifte in mir der Wunsch, Yolngu und das Yidaki auf ihrem Ursprungsland zu erleben. Nach weiteren Jahren Studium verschiedener traditioneller Spieltechniken aus dem Arnhemland und den physikalischen Eigenschaften dazu geeigneter Instrumente ergab sich für mich die Möglichkeit an der ersten Yirdaki Masterclass in Gikal’ Outstation auf Djalus-Land teilzunehmen. Ich nutzte diese Gelegenheit um eine dreiteilige Tour von Ende April bis Ende Mai 2009 durch das Northern Territory Australiens zu machen.

 

Der folgende Bericht enthält teilweise Original-Auszüge aus meinem Reisetagebuch.

Top End - Arnhemland - Cobourg Peninsula


Nach 32 Stunden Anreise von Deutschland über Singapur bin ich endlich in meinem Hotel in Darwin der Hauptstadt des Northern Territory angekommen. Das Quality Fronier mit Punters Bar, einem typischen Aussie Pub, sollte mein „Basislager“ im tropischen Norden Australiens werden. In den ersten Aklimatisierungstagen erkundete ich Darwin und Umgebung. Vor allem von den phantastischen Gemälden in diversen Aboriginal Art Galerien bin ich beeindruckt. Die haben „Spirit“. Hier traf ich auch den Didgeridoo-Berater W.K., einen sympathischen Halb-Aboriginal, der D.Bla..si persönlich kannte und sehr schätzte. Als ich auf einem „magoartigen“ Stick WAL-Rhythmen spielte, war er so beeindruckt, dass er auf seinen Eisenholz-Clapsticks spielte und dazu sang. Ein tolles Feeling. Ich hatte trotz tropischer Hitze Gänsehaut. Touristen-Didgeridoos gibt es viele, aber leider kaum gute Instrumente, die für traditionelle Spieltechniken, wie ich sie mag, geeignet sind. Kaum ist man raus aus Darwin, wird die Landschaft schon vom wilden Outback dominiert. Habe nun auch die ersten wilden Eidechsen und Wallabies gesehen. Die Termitenbauten im Litchfield National Park erreichen eine Höhe von über 6 m und werden wegen ihrer Form und Größe auch Kathetrals genannt.


Dieses Gebiet ist reich an Wasserfällen. Leider war Baden in den vom tropischen Regenwald umsäumten Wangi Falls wegen Krokodilen vorübergehend verboten, was wir später ausgiebig bei den Florence Falls nachholten.



Wieder zurück in Darwin startete gerade die Sommer- besser Wintersaison des Mindil Beach Markets mit Didge-Konzert von EmDee. Dieser Markt ist wegen der vielen Händler und vor allem der Riesenauswahl an exotischen Gerichten aus den umliegenden asiatischen Ländern empfehlenswert. Der dortige Sonnenuntergang war grandios. Während dem Rückweg zum Hotel konnte man gut das Kreuz des Südens sehen.



Den nächsten Morgen begann meine erste abenteuerliche Expedition durch den Kakadu National Park, in das aufregende Arnhemland und auf die Cobourg Peninsula. Ich wurde von zwei jungen australischen Guides (Hugh und Dan) von Venture North mit einem Toyota Landcruser (mit Schnorchel und Hänger) abgeholt. Das tolle für mich, wir sind nur zwei Gäste, Ken, ein netter Amerikaner (Vietnam Veteran mit vielen interessanten Lebenserfahrungen) und ich und haben ähnliche Interessen, wilde Natur und alte Kultur. Der zweite Guide Dan war mit dabei, um diese Tour kennenzulernen. Da es die Erstbefahrung in 2009 war, versprach es etwas abenteuerlicher zu werden. Auf der Arnhem Road durch den Kakadu Nationalpark hatten wir einige Stopps an guten Plätzen mit spektakulärer Natur (viele Wildvögel, Salzwasserkrokodile, tolle Wasserpflanzen und Eukalyptuswälder, Stringybark und Woolybutt). Habe hier auch den ersten Roadtrain gesehen.

 

Das kulturelle Highlight war der Besuch des Nourlangie Rock mit den vielen weltberühmten Felsgalerien (bis zu 50.000 Jahre alt). Meine ersten live gesehenen Rock Art Paintings. Ich war tief beeindruckt.


 

 

 

 

Während einer Wanderung zum Nawurlandja Lookout sahen wir Black-Rock-Wallabys und am Anbangbang Billabong saß wie zum Fotografieren bestellt ein Kokaburra vor bester Szenerie. Ein wahrhafter Dreamtime Moment. („If you respect the land, then you will feel the land“ Brian Baruwei – Warrkbarbar Clan) Hier fühlte ich dieses Land wirklich intensiv.


 

Nach einem vorzüglichen Barramundie Dinner (von unseren Guides zubereitet) und Übernachtung in Buschbungalows in Jabiru begann am nächsten Morgen das Abenteuer mit der Durchfahrt durch den East-Alligator-River ins Arnhemland.



Es ist Nacht, der Mond scheint und ich sitze hier auf Cobourg Peninsula weitab von der sogenannten Zivilisation in meinem Zelt und höre die Geräusche des tropischen Urwaldes. Der Tag war spitze, ein Tag mit vielen spirituellen und emotionalen Momenten. Wir sind früh aufgebrochen und durch eine atemberaubend schöne Landschaft ins Arnhemland (Didge-Land) gefahren. Unseren ersten Halt hatten wir in Oenpelli, einer Aboriginal Community im Gumbalanya Gebiet, wo wir beim Injalak Art Center unseren Aboriginal Guide Gary trafen. Ein sehr angenehmer Mensch.

Mit ihm erkundeten wir das Labyrinth des Injalak Hills, ein Berg mit vielen der berühmten tausende Jahre alten Rock Art Gallerien im Arnhemland. Zu jedem Painting erzählte er alte überlieferte Storys teilweise auch in seiner Sprache. Die Gespräche mit Gary waren emotional und oft sehr berührend.

Ich werde diese Eindrücke nie vergessen. Diese Menschen sind feinfühlig, stolz und auf beeindruckende Weise mit ihrem Land verbunden und sie sind hervorragende Künstler. Verglichen mit unserer oft materiell getriebenen Raffgier-Gesellschaft können wir viel über verlorengegangene Werte und Fähigkeiten lernen.



Jetzt hatten wir noch eine 300 km Fahrt über rote 4WD Pisten mit Durchquerungen des Cooper- und Murgenella Creek vor uns. Wegen der dort lebenden Salzwasserkrokodile, der größten lebenden Reptilien der Welt immer auch ein spannendes Erlebnis. Unterwegs begegneten wir vielen Wallabies, Schwärmen von schwarz roten Kakadus und Brolgas (große hier heimische Storchenvögel, der Totemvogel des Erbauers eines meiner besten Yidakis). Nach einem abrupten Stopp unseres Landcrusers sprang Dan aus dem Auto und rannte in den Busch. Er fing eine große Kragenechse, eine beeindruckende Kreatur. Danach nannte ich ihn „Lizard Dundee“. Einen Namen, den er lange behalten sollte. Das Ende dieser Fahrt in den Garig Gunak Barlu Nationalpark wurde immer abenteuerlicher. Da wir die ersten Besucher dieses Jahr im Costal Camp von Venture North waren und der Track kaum zu sehen war, fuhren wir quasi die letzten Kilometer durch den wilden Urwald.

Die Nächte in meinem halboffenen Dschungel-Zelt waren interessant. Habe gut geschlafen. Die Geräusche nachts und am Morgen waren anders als im Kakadu NP. Vor allem das Dingohäulen und laute Geschrei oder Lachen der Kokabura Vögel (Lachender Hans) war ein Erlebniss. Die nächsten Tage erkundeten wir die Cobourg Peninsula.


 

Wir waren Speer fischen und Austern sammeln an einsamen Stränden, haben wilde Tiere beobachtet (Bantangs, Wasserbüffel, Adler, Haie, Salzwasserkrokodile, …) und Grevillea Blüten gesammelt, mit denen Aboriginal Kinder gern ihr Trinkwasser aromatisieren. Ein unbeschreiblich exotischer Duft, der mir heute noch in der Nase hängt. Leider war das Baden in der Arafura See wegen der Haie, Salzwasserkrokodile und Box-Yelley-Fish zu gefährlich.



Nach einem Besuch der alten Victoria Settlement Ruinen traten wir unseren langen Rückweg in echter Ralley Manier an und machten an einer Stelle mit beeindruckenden Kompass-Termiten Hügeln halt. Wieder im Gumbalanya Gebiet mußte ich an Gary und unsere unvergesslichen Erlebnisse am Injalak Hill denken. Obwohl nicht abgesprochen stand er genau zum richtigen Zeitpunkt an der roten Piste und winkte uns zu (Zufall?). Er stellte uns seine Familie vor und wir hatten noch einen herzlichen Abschied. Die letzten 50 km von Oenpelli über Ubirr nach Jabiru im Dunkeln waren insofern interessant, da die Ranger (nach überlieferten Aboriginal Regeln) das alte Gras abbrannten. Kilomerteweite Buschfeuer erforderlich für den Jahreskreislauf der Natur.


 

 

Nach einem grandiosen Sonnenaufgang bei Yellow Waters erkundeten wir die dortigen Feuchtgebiete per Boot.


 

Spektakuläre Natur hautnah, viele Vögel (Weissbrust Seeadler, Brolgas, Jabirus, …), interessante Pflanzen (Wasserlilien, Lotus, Paperbark Trees, …) und vor allem Salzwasserkrokodile.


Bevor wir zur Rückfahrt nach Darwin aufbrachen, unternahmen wir eine 2 Stunden Buschwanderung zur Nanguluwur art site. Diese Seite des Nourlangie Rock ist wenig besucht und ein kleiner Geheimtipp für beeindruckende

Rock art Paintings, die teilweise aus einer anderen Welt zu stammen scheinen. Hier kann man auch in jüngeren Paintings die Zeugnisse der ersten Begegnungen mit den Schiffen der europäischen Eroberer sehen.


Nach weiteren 270 km auf dem Arnhem Highway besuchten wir die Didgeridoo Hut, eine bekannte Anlaufstelle für Didgeridoos und Aboriginal Art in Darwin. Habe dort ausgiebig einige interessante Yidakis mit NEAL-Spielstilen getestet, wonach sich prompt ein Gespräch mit einem zufällig anwesenden Yolngu incl. Familie ergab.  Er war ein ferner Verwandter von Djalu Gurruwiwi und fand es toll, dass ich in zwei Wochen an der Yirdaki Masterclass im NE-Arnhemland teilnehmen würde. Am Abend setzten mich Hugh, Dan und Ken wieder an meinem Hotel ab. Nach einer erfrischenden Dusche, der erforderlichen Wäsche meiner wichtigsten Sachen und einem kühlen „XXXX gold“ in Punters Bar lag mein erstes Outback Abenteuer hinter mir.