News/Archiv

2009-2



Meine Reise zu den Ursprüngen des Didgeridoo / Teil 2

From Red Centre to Darwin


Schon lange vor meiner Reiseplanung in Deutschland war mir klar, dass ich bei einem Australienbesuch auf jeden Fall das “Rote Zentrum” erleben wollte. Um auch diesen Traum zu realisieren, verabschiedete ich mich zwischenzeitlich vom tropischen Ursprungsgebiet des Didgeridoo und flog von Darwin aus 1400 km südlich nach Alice Springs. Auch dieser Flug war beeindruckend. Vor allem die wechselnde Farbe des Outbacks von dominierenden Grüntönen zu den typischen roten Farbtönen des Desert Outbacks z.B. über der Tanami Wüste. Nach meiner Landung im „Red Centre“ bezog ich meine Unterkunft in einem Backpacker Resort und startete die Erkundung von Alice Springs. Hier leben viele Wüsten-Aboriginals vom Stamm der Arrente, die ihre Dot-Paintings verkaufen wollen. Während ich mich mit einem 400 g Steak stärkte, setzte sich ganz spontan eine asiatisch aussehende Australierin zu mir. Sie war eine Antropologin aus Sydney und kümmert sich im Outback um die Landrechte der dort lebenden Wüstenvölker.

 

 

Zur Einstimmung auf das „Rote Zentrum“ startete ich am nächsten Tag eine 4WD Tour parallel zu den Western Macdonnel Ranges den Larapinta Drive entlang über Hermannsburg in das Palm Valley des Finke River Nationalparks. Die farblichen Eindrücke waren überwältigend. Blauer Himmel mit einigen kleinen weißen Wolken, die in verschiedenen Rottönen leuchtenden 350 Mio Jahre alten Bergketten, das gelbe bis pastellgrüne Spinnefixgras und die blaugrünen Mulgasträuche und Geistereukalypten mit weißen Stämmen.


Die Fahrt durch das ausgetrocknete Flussbett des Finke River (eines der ältesten Flüsse der Welt) führte uns zur Cycade Gorge bis in das Palm Valley mit seinen unglaublichen Felsformationen. Der Kontrast zum tropischen Norden Australiens ist gewaltig. Teilweise kam ich mir vor wie auf einem anderen roten Planeten.


Auf der Rückfahrt besuchten wir die alte Aboriginal-Missionarsstation in Hermannsburg. Hier haben mich spontan zwei 9 jährige Aboriginal Mädchen (Vee and Sandy) vom Arrente Tribe angesprochen und mir die ganze Station gezeigt und dazu nette und interessante Geschichten erzählt.

Diese Siedlung wird übrigens auf Basis eines modernen Solarkraftwerkes mit Energie versorgt. Ein toller Kontrast zum alten Land.



Heute beginnt meine ca. 2800 km Campingtour von Alice Springs südostwärts nach Kata Tjuta, Uluru, Kings Canyon und wieder nordwärts den Stuard Highway entlang über Ti Tree, Wycliffe Well, Devils Marbles, Tennat Creek, Daly Waters, Mataranka, Katherine Gorge zurück nach Darwin. Wir sind eine international gemischte Gruppe mit Teilnehmern aus Australien, Kanada, Holland, Italien, Frankreich, Schweiz, Südkorea, Japan, Irland, England, Weißrussland, Slowakei und Deutschland. Die Stimmung ist gut. Unser typisch australischer Outback Guide ist mit vollem Einsatz dabei unsere Gruppe optimal zu betreuen.


Nach Erreichen unseres Camps am Uluru sind wir zu den Kata Tjuta´s gefahren, eine atemberaubende sehr alte rote Sandsteinformation und spirituelle Stätte für die hier ansässigen Wüsten Aboriginals, den Anangu oder Pijanjara. Die farblichen und größenmäßigen Eindrücke sind überwältigend und schwer zu beschreiben bzw. in Fotos mit Normalperspektive festzuhalten. Unsere ca. 2 stündige Wanderung durch das „Valley of the winds“ war für mich ein Traum, wie auf einem anderen Planeten.

Von hier sind wir dann rechtzeitig aufgebrochen, um den Sonnenuntergang am Uluru zu erleben. Als dieser rote Sandsteinmonolith das erste Mal in voller Größe sichtbar war, überwältigten mich meine Gefühle. Durch das Interesse an der alten Kultur verbunden mit den faszinierenden farblichen Stimmungen während des Sonnenuntergangs erlebte ich hier intensive emotionale Momente. Leider sind diese nicht in Fotos festzuhalten, da parallel zu den optischen Eindrücken auch andere Sinneseindrücke verbunden mit den momentanen Gedanken wirken.


Die Nacht im Camp war anfangs ungemütlich, da die Temperaturen zeitweise bis 5°C sanken und ich nur einen dünnen Schlafsack dabei hatte. Umso beeindruckender war der Blick in den südlichen Sternenhimmel. Vor dem hellen Hintergrund des Zentrums unserer Galaxis konnte man deutlich die Wolken dunkler Materie sehen. Frühzeitig nach dem Sonnenaufgang am Uluru bin ich ca. 2 Stunden den Base walk um den Riesenmonolith gewandert. Durch die noch tief stehende Sonne waren die Eindrücke teilweise unwirklich. Da viele Stellen wichtige spirituelle Orte für die dort lebenden Aboriginals sind, durfte man leider nicht alles fotografieren, was ich in diesem Fall natürlich aus Respekt vor der alten Kultur der Anangu beachtete.


Nach weiteren 280 km Fahrt mit Zwischenstopp am Mt. Conner lookout erreichten wir unser Camp am Kings Canyon im Watarrka Nationalpark. Diese langen Fahrten durch das Outback lassen einen die wahre Größe dieses Landes bzw. Kontinents spüren. Verglichen mit denen von mir in Deutschland subjektiv gefühlten Entfernungen muß ich hier mit dem Faktor 4 multiplizieren.


Unser Guide Kenny hat uns wieder am Lagerfeuer im Camp mit seinen australischen Outback Kochkünsten (Emu und Kängeruh) überrascht. Spät am Abend besuchten uns ein paar Camper mit einem typischen Touristen Didgeridoo (mit einem für Kenner scheußlichem Klang). Nachdem ich es präpariert und von innen gewässert hatte, konnte ich doch noch einige passable Klänge und Rhythmen herauszaubern und vor allem die Aussies zum staunen bringen. Als dann Kenny (unser Guide und Musiker) noch seine Gitarre hervorholte musizierten bzw. improvisierten wir bis in die Nacht und hatten eine tolle Stimmung am Lagerfeuer. Die Nacht war angenehmer als die letzte. Oft konnte man das Häulen der Dingos hören.

 

 

 

 

Kleine Pause über dem Canyon.


Am nächsten Morgen sind wir frühzeitig zum Kings Canyon aufgebrochen und 3 Stunden durch die Canyonlandschaft gewandert. Wieder waren die Aussichten und Szenerien spektakulär. Durch die teilweise schwierigen Lichtverhältnisse leider nicht optimal auf Fotos zu bannen. Höhepunkt waren natürlich die überhängenden Steilwände des Kings Canyons. Danach wieder 400 km Fahrt durch das rote Outback zurück nach Alice Springs. Hier nutzte ich die Gelegenheit, um in den diversen Art Galleries und Shops zu stöbern. Hier findet man neben den berühmten Dot Paintings der Wüsten Aboriginals auch überraschend viele Didgeridoos, die allerdings bis auf Ausnahmen nicht viel mit dem traditionellen Ursprung zu tun haben, da sie nicht der Kultur der Wüsten Aboriginals entstammen.



Am nächsten Morgen um 5:40 h starteten wir unsere lange Fahrt den Stuard Highway entlang nach Norden. Unterwegs stoppten wir an verschiedenen Outback Raststätten bzw. Pubs. Der schrägste Pub war in Wycliffe well, dem UFO Zentrum Australiens. Hier scheinen alle „verrückt“ zu sein. Sogar die hier heimischen Aboriginals berichteten von UFO Sichtungen. Nach unserem Lunch erreichten wir endlich das Gebiet der „Devils Marbles“. Auch eine der Gründe, warum ich diese lange Fahrt auf mich nahm..


Eine unglaubliche Szenerie. Die roten Granitkugeln, der blaue Himmel mit ein paar weißen Wolken und dazwischen pastellgrünes Spinnefixgras und weiße Geistereukalypten. Für die Aboriginals (die Kaytej und Warumunga) ein spiritueller Ort, der die Eier der Regenbogenschlange (dem mächtigsten Schöpfungswesen der Traumzeit) symbolisiert.


Inzwischen haben wir unser Camp in Banka Banka, einer großen Rinderfarm, erreicht. Das Lagerfeuer brennt schon, die Kakadus krächzen und wilde Kängeruhs hüpfen in der Dämmerung vorbei. Hier ca. 800 km nördlich vom Uluru war es nachts schon wesentlich wärmer. Ich sitze wieder in unserem Kleinbus und die „unendlichen“ Weiten des Outbacks ziehen vorbei. Das Land ist riesig. Es ist interessant, den langsamen Wechsel der Vegetation zu erleben.

Links in Fahrtrichtung die Tanami Desert, roter Sand, gelbes Spinnefixgras, grüne Mulgabüsche und einige Eukalyptusbäume. Wir haben heute ca. 600 km zu bewältigen.

Der Stuard Highway zieht sich wie eine graue Riesenschlange nordwärts durch das Outback. Unser junger Fahrer Corry, ein Kiwi, bedrönt uns mit seiner Musik.


Da wir wegen der Gefahr von Krokodilen keine Kanufahrten unternehmen konnten, hatte ich mich für einen Helikopterflug über das Gebiet entschieden. Tolle Einblicke in das zerklüftete Land der Jawoyn.


Manuel, ein netter Mangarayi Künstler hat uns eine Einführung in die hier praktizierten Rarrk-Painting Techniken gegeben. Wieder im „Didge Land“ war der Höhepunkt für mich natürlich der gut geführte Didgeshop, in dem es auch einige wirklich gute Instrumente gab. Nachdem ich mir eines der besten aus dem Barunga-Gebiet ausgesucht hatte, begleitete ich damit unsere Gruppe musikalisch beim Malen. Eine tolle Stimmung. Ich fand dieses Didge so gut, dass es das erste Instrument wurde, dass ich hier kaufte und nach Deutschland versenden lies.


Manuel, ein netter Mangarayi Künstler hat uns eine Einführung in die hier praktizierten Rarrk-Painting Techniken gegeben. Wieder im „Didge Land“ war der Höhepunkt für mich natürlich der gut geführte Didgeshop, in dem es auch einige wirklich gute Instrumente gab. Nachdem ich mir eines der besten aus dem Barunga-Gebiet ausgesucht hatte, begleitete ich damit unsere Gruppe musikalisch beim Malen. Eine tolle Stimmung. Ich fand dieses Didge so gut, dass es das erste Instrument wurde, dass ich hier kaufte und nach Deutschland versenden lies.