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2009-3



Meine Reise zu den Ursprüngen des Didgeridoo / Teil 3

NE-Arnhemland - Gove Peninsula - Gikal'

Der Flug von Darwin nach Gove war gut. Von oben konnte ich die bekannten Küstenlinien des NE-Arnhemlandes gut erkennen. Ich war ja schließlich schon öfters virtuell über Google earth hier. In Darwin hatte ich Andy aus der Schweiz getroffen. Da der Airportshuttle schon weg war, hatte uns ein netter Australier mit seinem 4WD zum Motel gefahren. Ich spüre seit langer Zeit wieder dieses Lampenfieber vor dem Festival und dem Wiedersehen mit der Gurruwiwi Familie. Hier in Nhulunby ist es tropischer als ich dachte. Diesen Tag haben wir entspannt und Kräfte für den morgigen Tag gesammelt, um mit voller Energie in die Yirdaki Master class zu starten.


Aufgrund der starken Regenfälle hier in den letzten Tagen hat sich Djalu dazu entschlossen, die Tour nach Gikal nicht mit 4WD´s zu machen. Er fliegt mit einem Teil der Familie per Flugzeug und wir die Teilnahmer der Master class mit Dhangal (Djalus Schwester) und ihrer Enkelin Dorothea fahren per Schiff, der Auriga Bay II nach Gikal.


Unsere Gruppe besteht aus 4 Japanern (Jo, Warabe, Sanshi, Junji), 4 Australiern (Brian, Arpana with family) einem Schweizer (Andy) und 2 Deutschen (Andy, ich). Durch unsere gemeinsamen Interessen, die uns weltweit verbinden, war die Stimmung von Anfang an spitze. Der Seeweg dauerte ca. 6 Stunden und war teilweise sehr rau. Die Vorbeifahrt an den roten Steilküsten des NE-Arnhemlandes (Yolngu Land) war optisch ein Leckerbissen. Dhangal hat uns viele interessante Storys über diese Küstenlinie erzählt.


Endlich in Gikal angekommen hatten wir mit unserem Beiboot übergesetzt und sind an Land gegangen. Dort wurden wir von den sehr hilfsbereiten Kindern energisch in Empfang genommen und haben uns erstmal alle begrüßt. Djalu, seine Frau Dopiya und Selma kannten mich noch vom Rripangu Festival im Schwarzwald 2002. Neben den vielen interessanten Storys und Regeln über das Leben in der Yolngu Gesellschaft hatten wir dann Bungul (public ceremonial) mit Yirdaki (Didgeridoo), Bilma (Clapsticks), Gesang und Tanz. Zur Einstimmung wurden wir auch wieder von Djalu bespielt. Es ist beeindruckend, wie hier 4 Generationen zusammenleben und das Leben genießen.

 

 

Am späten Abend wieder auf unserem Schiff angekommen hatten uns unsere Gastgeber der Skipper Ian und seine Frau Skipperess Hedar mit einem leckern Dinner verwöhnt.


Die Nacht auf der Auriga Bay II war angenehm. Durch die Entfernung vom Festland hatten wir keine Probleme mit Moskitos und Sandflies. Der Sonnenaufgang in der Arafura See zwischen Neuguinea und Australien war grandios. Wieder ein spannender Tag. Der Landgang gestaltete sich schwierig, da wir durch die momentane Ebbe ca. 100 – 150 m teilweise durch 80 cm tiefen Schlick waten mussten.


 

 

Nach einigen Yirdaki Lektionen mit Djalu, Terrence und Vernon wurden wir adoptiert und damit ein Teil der Yolngu Welt. Ich wurde von Djalus Frau Dopiya adoptiert, gehöre zur Yirritja moietie und erhielt den Namen Barugula (Paperbark Tree) Yunupingu. Sie ist meine Schwester, Djalu mein Schwager. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass mich ab sofort die Familienmitglieder mit wawa (Bruder), nathi (Großvater), nabebi (Onkel) und duwai (Schwager) ansprachen.

Später fuhren wir mit Djalus Toyota Landcruiser in die Eukalyptuswälder um Gikal zum Yirdaki fällen. Es ist interessant wie die Yolngu zuerst am Aussehen eines Baumes und dann durch einen Anschlag z.B. mit der Rückseite der Axt und Zuhören die Bäume zum Fällen auswählen. Wir haben ca. 25 Bäume gefällt und die mit den besten Termitenfraßgängen auf Länge gesägt und zum Toyota transportiert. Eine schweißtreibende Arbeit bei 34°C und tropisch hoher Luftfeuchtigkeit. Mit den 10 besten Stämmen begannen wir mit dem Yirdaki Bau auf traditionelle Weise.

Zusätzlich wurde noch ein Eisenholzbaum für den Bau von Bilma (Clapsticks) gefällt. Als Holzliebhaber bin ich jedes Mal wieder fasziniert welche interessanten Materialien die Natur so liefert. Nach diesem körperlich anstrengenden Tag, einem grandiosen Sonnenuntergang und einem kühlen „XXXX gold“ fiel ich zufrieden in meine Koje auf der Auriga Bay II und dachte an den morgigen Tag, meinen Geburtstag.


Ein herrlicher Sonnenaufgang und eine angenehme Briese. Die internationale Besatzung hat mit ein Ständchen gesungen und in der jeweiligen Landessprache einen Eintrag in mein Tagebuch gemacht. Wieder an Land hat mir auch die Familie gratuliert und wir haben unsere Yirdaki Bauaktivitäten fortgesetzt.

So gegen Mittag fuhren wir wieder mit Djalus Toyota in ein anderes Eukalyptus Waldgebiet um Gikal und setzten die Yirdaki Ernte fort.


 

 

 

Diesmal war die Ausbeute und Qualität der Rohlinge wesentlich besser als gestern. Natürlich war die Arbeit bei tropisch feuchter Hitze wieder extrem schweißtreibend und die 2 L Wasser pro Person waren schnell verbraucht. Dazu bissen sich regelmäßig grüne Ameisen, die in ihrer Ruhe gestört waren, an den Beinen fest. Deren grüne Hinterleiber enthalten Zitronensäure und schmecken deshalb nach Limonen.


Jetzt hatten wir uns eine Abkühlung verdient. Djalu ist mit uns zum Rainbow Creek gefahren. Da dort die Regenbogenschlange (eines der mächtigsten Schöpfungswesen der Traumzeit) lebt, verhielten wir uns beim erfrischenden Bad relativ ruhig und respektvoll, um sie nicht zu stören. Ein spiritueller Ort.

 

Habe heute mit Hilfe der Familie zwei Yidakis gebaut, die morgen bemalt werden sollen. Dies war wahrscheinlich der exotischste Geburtstag in meinem Leben. Was wird wohl gerade meine Familie in Deutschland machen. Irgendwie spüre ich, dass sie auch an mich denken.


Heute haben die Frauen (Dopiya, Dhangal, Selma, …) der Großfamilie unsere neuen Yidakis bemalt. Bevorzugte Motive sind die jeweiligen Totems, mit denen man nach der Adoption auch spirituell verbunden ist.

Eines meiner Totems ist Baru, das Salzwasserkrokodil. Dopiya hat mein längstes Yidaki mit Baru bemalt. Die Familienmitglieder haben hier alle eine künstlerische Ader. Für das Bemalen wurden Schlepp-Pinsel aus unseren Haaren gebastelt.


Nach einigen Yidaki Sessions haben wir uns Bilma (Ckapsticks) aus Eisenholz bebaut. Ein zähes hartes Holz, das die fertigen Bilma metallisch klingen lässt.

Am Nachmittag kamen weitere Clanmitglieder und Verwandtschaft von Elcho Island nach Gikal. Gemeinsam mit ihnen hatten wir ein tolles Bungul mit Yidaki, Bilma, Gesang und Tanz bis in die Nacht hinein. Ein toller Abend in einer anderen Welt.



Der letzte Tag in Gikal. Nach weiteren Yidaki Sessions und interessanten Gesprächen mit den Familienmitgliedern hieß es dann Abschied nehmen. Wir tauschten noch einige Geschenke aus und begaben uns dann auf die Rückfahrt per Seeweg mit der Auriga Bay II. Jeder von uns mit zwei Yidakis und Bilmas. Eine gute und teilweise nachdenkliche Stimmung. Da wir alle adoptiert wurden, waren wir jetzt auch verwandt und fühlen uns auch irgendwie mehr verbunden als vor der Reise. Wieder in Nulunbuy angekommen hatte ich meine neuen Yidakis verpackt und hoffte, dass diese die lange Rückreise gut überstehen. Während dem Rückflug nach Darwin ca. 21:00 h konnte man gut die im Arnhemland gelegten Buschbrände sehen, die hier für den Kreislauf der Natur erforderlich sind.

Die etappenweise Rückreise in das „normale“ Leben hat begonnen. Nach einem letzten interessanten Tag in Darwin startet heute Abend der Flug über Singapur nach Frankfurt. Habe ein sehr interessant klingendes und gut spielbares Yidaki in einer Didge Galerie entdeckt und ausführlich gespielt und getestet und dabei gar nicht gemerkt, dass ich eine menge Publikum hatte, die meiner in Gikal inspirierten Spielweise aufmerksam zuhörten. Jedenfalls hatte ich auch dieses Instrument mit als Zusatzgepäck mit nach Deutschland genommen.

Bin gerade im Flugzeug über Indonesien (Borneo ?) und komme mir mit meinem gezeichneten Outfit wie Indiana Jones vor. Ich spüre eine dankbare innere Zufriedenheit über meine fast zu ende gehende Dreamtour 2009 und freue mich auf das Wiedersehen mit meiner Familie, Freunden und Bekannten.